Wir in der Presse

Berliner Woche, 8. Februar 2006, Seite 1/2
Wochenzeitung für Berlin-Wedding

Deutschpflicht im Kinderclub

Private Initiative feiert Geburtstag /
Verein braucht finanzielle Unterstützung

Wedding. Am 8. Februar feiert der Kinderclub Soldiner Straße seinen zweiten Geburtstag. Damit die über 120 Kinder auch weiterhin betreut werden können, werden dringend Sponsoren gesucht.

Als Linda Zimmermann während ihrer Erzieherausbildung ein Praktikum beim Spielmobil Mitte absolvierte, war ihr klar: „Wir müssen was für die Kids machen." Der VW-Bus war ständig umlagert. Dutzende, vor allem ausländische Kinder, standen in der Grüntaler Straße Schlange vor dem Auto.

Im Soldiner Kiez gibt es nur eine gebundene Ganztagsschule. Auf die wenigen vorhandenen Hortplätze haben vorwiegend Kinder berufstätiger Eltern einen Anspruch. Die Folge: Vor allem Kinder, deren Eltern arbeitslos sind und Kinder aus Großfamilien nichtdeutscher Herkunft, hängen auf der Straße rum. „Nicht meckern, sondern helfen", nennt Linda Zimmermann ihre Devise. So hat sie in einem lange leerstehenden Laden in der Soldiner Straße 5 den Club eröffnet. Mit Freunden und Bekannten kümmert sich die 25jährige um Schüler von der 1. bis zur 6. Klasse. Mittlerweile kommen mehr als 120 Kinder in den Club. Die Kleinen sind vor allem aus Palästina, Syrien, dem Libanon, Bosnien, Kroatien, Sri Lanka, der Türkei, Albanien und Griechenland.

Insgesamt zehn Betreuer helfen im Kinderclub. Acht Studenten oder Erzieher kommen ehrenamtlich ein paar Stunden pro Woche in den Soldiner Kiez. Die Gründerin Linda Zimmermann wird mit einem Minigehalt von einer befreundeten Werbeagentur unterstützt, die das Engagement schätzt. Eine Kollegin bekommt Honorar aus dem Senatsprogramm Soziale Stadt. Aus dem Topf werden auch die Mietkosten bezahlt. Allerdings nur noch bis Ende 2006, dann ist Schluß. Die Helfer haben deshalb zum 1. Januar den Verein Kinderclub Berlin e.V. gegründet. Durch die Gemeinnützigkeit hoffen die Mitglieder auf Spenden. Ohne Sponsoren wird das Projekt nicht überleben.

Gut betreute Kinder
Das Besondere im Kinderclub ist der Betreuungsschlüssel. Auf drei bis vier Kinder kommt ein Mitarbeiter. „Wir beschäftigen nicht, wir bilden", sagt Zimmermann. Alle Angebote, von der täglichen Hausaufgabenhilfe bis zu Sport-, Koch- und Spielangeboten, stünden im Zeichen der Sprachförderung. Im Laden darf ausschließlich Deutsch gesprochen werden, auch untereinander. Das ist eine Regel, die an der Wand hängt. Die Aufregung über eine gleiche Deutschpflicht, mit der die Herbert-Hoover-Realschule für bundesweite Diskussionen sorgte, kann Zimmermann nicht verstehen. „Wir lieben die Sprache der Kinder, aber sie müssen bei jeder Gelegenheit Deutsch üben", so die Erzieherin. „Wir leben in Deutschland, ohne gute Deutschkenntnisse haben die Kinder später keine Chance", weiß Zimmermann. (DJ)

Wer Spenden möchte, alle Informationen stehen im Internet unter www.kinderclub-berlin.de.

Berliner Woche: 08.02.2006
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